Hallo, ich bin die Schwangerschaftsvertretung von Superwoman!

Eine Schilderung von Johanna

Es ist noch recht früh am Morgen und ich sitze am Küchentisch und sehe aus dem Fenster. In meinem Schoss liegt selig schlafend unser 6 Wochen alter Sohn Mikko. Nach einer recht schlaflosen Nacht mit einigen Fläschchen, Bauch massieren und Windelwechseln ist es ein besonders schönes Gefühl, wenn das Kind nun endlich zur Ruhe gekommen ist und schläft.

Kathi und ich haben bereits um 5 Uhr gemeinsam Kaffee getrunken und den Tag besprochen. Jetzt kann ich sie durch das Fenster dabei beobachten, wie sie ein Hundeteam fürs Training vorbereitet und einspannt.

Es macht mich sehr glücklich zu sehen, wie sie, nun nach der Schwangerschaft, und den körperlichen Einschränkungen nach der Geburt endlich wieder ihre Kräfte zurückerlangt und begeistert wieder die Hundeversorgung und das Training übernommen hat.

Ein Kind wird vieles verändern

Letztes Jahr zu dieser Zeit hatten wir unendliche Gespräche darüber, wie es wohl wäre Eltern zu werden. Ein Kind zu bekommen und die Verantwortung zu übernehmen, sich um das kleine Wesen zu kümmern, es zu fördern, fordern und was noch alles dazu gehört. Es war nicht einfach, sich vorzustellen, wie es unser Leben verändern würde und gleichzeitig auch nicht.

Wir haben uns für ein Kind entschieden und im Dezember kam Mikko auf die Welt. Die Geburt und die ersten Wochen mit ihm waren sehr intensiv, spannend, herausfordernd und wunderbar. Die Zeit verliert ihren Rahmen, nie geahnte Sorgen und Nöte entstehen und das kleine Kerlchen diktiert uns, ohne sprechen zu können, wie, wann und was getan werden soll.

Definitiv eine neue Erfahrung. Und doch will man nicht einen Tag missen, ihn am liebsten immerzu angucken und in den Arm nehmen. Man ist wie verhext.

Als wir uns entschieden hatten, ein Kind zu bekommen, war uns klar, dass man nie weiß, wie eine Schwangerschaft verlaufen wird. Man kann zwar Pläne machen, aber sollte sich bewusst sein, dass alles ganz anders kommen kann.

Für uns war das zentrale Thema die Versorgung der Hunde. Wie sollen wir das machen, wenn Katharina schwanger ist? Schließlich ist das fast ausschließlich Katharinas Aufgabengebiet. Ich bin zwar in das meiste eingeweiht aber eher theoretisch als praktisch. Und vor allem was das Training der Hunde angeht, hatte ich überhaupt keine „eigene“ Erfahrung.  Ich hatte bis dahin noch nie ein Hundeteam allein trainiert, weder im Herbst noch im Winter.

Wir „planten“, dass Kathi bei gut verlaufender Schwangerschaft den Sommer über die Hundeversorgung mit meiner Mithilfe stemmen kann, wir das Herbsttraining gemeinsam machen und Kathi dann am Anfang des Winters vielleicht auch noch ein wenig Schlittenfahren kann, bevor die Hunde dann im Dezember entweder viel Freilauf bekommen oder ich den Mut habe, sie allein zu trainieren. Wissentlich, dass die Hunde diese Saison ein eher leichtes Training bekommen, wählten wir das Motto „Die Hunde regelmäßig bewegen, keine Experimente“.

Bis zum Dezember wäre mein Part, Kathi die schweren Arbeiten abzunehmen und sie dort zu unterstützen, wo sie eben Hilfe braucht. Im Dezember und Januar würde ich die Versorgung voll übernehmen. Ab Ende Januar wäre Katharina dann wieder fit und wir würde die Hundeversorgung und Training wieder übernehmen, während ich in die Mutterrolle schlüpfe und mich um unseren Sohn kümmere. Das war unser Plan.

Katharina wurde schwanger und unser „Projekt Rollentausch“ begann.

Was habe ich mir dabei nur gedacht?

Wir sind schon so viele Jahre zusammen und nicht selten habe ich Kathi die Spitznamen Superwoman gegeben. Immer dann, wenn sie abends zufrieden grinsend ins Bett fiel, nachdem sie ein derart enormes Maß an körperlicher Arbeit absolviert hatte, das mir schon beim Zugucken oder Zuhören Muskelkater ausgelöst hat.

Während unserer Planungsphase hatte ich das wohl verdrängt. Irgendwie war mir nicht klar, dass ich im Prinzip nun die Schwangerschaftsvertretung von Superwoman sein würde. Was hatte ich mir dabei nur gedacht?

Die ersten drei Monate, also Februar bis April, war Kathi zurückhaltend und vorsichtig, um die Schwangerschaft nicht zu gefährden. Was in Kathis Welt bedeutete, dass sie weiterhin täglich Hundetraining machte und mehrmals mit einem 10-Team zu einer mehrtägigen Fjälltour in die schwedischen Berge aufbrach. Alles ganz „normal“.

Der Mai ist generell ein Monat, in dem man nicht so viel machen kann. Der Schnee schmilzt, das Wasser steigt und die Hunde schalten langsam in ihren Sommermodus um, weil es wärmer wird. Das Kathi in dieser Zeit sehr müde war und viel schlief passte zum Wetter, zu den Hunden und zu meinem Tempo.

Ich übernahm langsam viele der täglichen Aufgaben, die mit schwerem Heben zu tun hatten. Die Hunde kamen täglich in kleinen Gruppen in den Freilauf und wir verbrachten gemeinsam viel Zeit mit ihnen in unserer „Hunde-Cabin“ zum Kuscheln, Massieren und Pfoten- und Fellpflege. Kathi viel es schwer einen, oder auch mehrere Gänge runterzufahren, aber ihr Körper lies ihr keine andere Wahl.

Ich war motiviert und kraftvoll dabei. Gleichzeitig begann auch meine neue Projektanstellung bei der Gemeinde.

Als es Sommer wurde war ich gut eingearbeitet in die täglichen Routinen mit den Hunden. Das Befüllen und Tragen der Futtereimer, das Füttern, das Saubermachen der Zwinger und Tragen der Koteimer zur Grube, das Säubern der Hundeküche, und vieles mehr.

Die Hundeaktivitäten machten wir weiterhin gemeinsam. Ich lernte viel Neues und bereitete mich langsam darauf vor eigenständiger zu Arbeiten. Die Hunde haben einen ausgeprägten Sinn dafür, dass sie wählen auf wen sie hören. Wenn Kathi in der Nähe ist, werden Ansagen von mir immer bei Kathi noch einmal auf ihre Richtigkeit geprüft, bevor die Hunde entsprechend reagieren. Das macht es oft schwierig im Beisein von Kathi das Ruder zu übernehmen.

So langsam gab es auch sonst mehr und mehr Dinge, die Kathi nicht mehr so gut machen konnte wie sonst. Vor allem alles was mit schwerem Heben oder langem Laufen zu tun hatte.

Geplant war, dass Kathi sich in Ruhe darum kümmert die 30 Kubik Holz, die in einem riesigen Haufen auf dem Hof lagen in den Schuppen zu stapeln. Als sie loslegte, dauerte es jedoch keine zwei Stunden und ihr war speiübel. Das Bücken, Hochkommen und Drehen lösten Schwindel und Übelkeit aus.

Die To-Do-Liste wird immer länger…

Auch das Sammeln der Blaubeeren und Preiselbeeren für den Winter kam auf meine Liste. Genauso die Netze auslegen im See, das Tragen der Wassereimer für die Hunde-Outdoor-Küche zum Kochen der Fleischsuppe und das Spülen der Näpfe. Das Reinigen der Hundehütten, das Schrubben der Böden, das Einsammeln des Strohes, das Reparieren der Hundezwingersektionen, das Löcher graben für die Zaunpfosten.

Im August merkte ich immer deutlicher, dass Kathis „normales“ Arbeitspensum meines definitiv überstieg.

Häufig kam ich körperlich an meine Grenzen. Ich begann mich mental zu motivieren, indem ich versuchte die Aufgaben zwar als tägliche Tasks zu sehen, aber dennoch bewusst innezuhalten und mir auf die Schulter zu klopfen, wenn ich wieder eine abhaken konnte.

Auch Kathi gab sich alle Mühe mich zu loben und mir das Gefühl zu geben, dass ich das gut mache.

Es gab immer wieder diese seltsamen Momente bei unserem Rollentausch. Vieles was mir so unglaublich schwer fiel, war für Kathi so einfach und sie machte diese Dinge scheinbar ohne große Anstrengung.

Nicht immer konnte sie meine totale Erschöpfung nachvollziehen, wenn ich auf dem letzten Loch pfeifend von draußen reinkam.  

Aber auch für sie war es nicht einfach. Ihr Körper verlangte sehr viel Ruhe von ihr, vor allem ab dem 6 Monat der Schwangerschaft. Es fiel ihr nicht leicht darauf zu hören und auf dem Sofa zu ruhen, wissend, dass ich draußen war und nicht selten mit mir selbst kämpfte.

Meine Arbeit bei der Gemeinde war zum Glück zeitlich sehr flexibel planbar und so konnten wir alles unter einen Hut bekommen.

Das schönste in dieser Zeit war, dass wir ganz viel gemeinsam machten. Das war uns früher eigentlich noch nie gelungen. Gemeinsam Füttern, gemeinsam im Freilauf, gemeinsam sich auf die Zukunft freuen.

Endlich Herbsttraining

Ende August begann dann das Herbsttraining. Darauf hatten wir uns beide sehr gefreut. Kathi war nun im 6. Monat, der Bauch schon ordentlich rund und es ging ihr eigentlich recht gut. Ruckartige Bewegungen waren jedoch nicht angenehm. Auch das Anziehen der Geschirre war nur bedingt passend für sie, da es eben wilde und sehr wilde Hunde in unserem Kennel gibt 😊.

Für das Anziehen der Booties wurde schnell klar, dass ihr Baby-Bauch langsam im Weg war und das Bücken mehr als unangenehm.

In der Praxis sah es so aus, dass Kathi mein Supervisor war und ich ihre Sklavin 😊

Ich habe viel gelernt über das Hundetraining! Unsere Beziehung hat definitiv neue Herausforderungen erfahren – und gemeistert.

Vor allem unsere Kommunikation ist viel besser geworden. Meine Schwachstelle, die untere Rückenmuskulatur, wurden durch das viele Booties-anziehen aktiviert und nach einer schmerzhaften Phase dauerhaft gestärkt!

Das Fahren des Trainingswagens blieb vorerst fest in Kathis Händen. Es war ein unausgesprochenes Gesetz und ein deutliches Tabuthema von Kathis Seite. Ich glaube sie hatte schon so viel „abgegeben“, dass sie daran besonders festhielt. So trainierten wir jeden Tag gemeinsam die Hunde.

Die holprigsten Wege gingen nur am Anfang der Saison, später wurden diese für Kathi problematisch, weil ihr dann übel wurde. Auch sonst wurde es mit der Zeit deutlich, dass es zwar noch gut machbar war für sie, aber es immer Mal Tage gab, an denen sie nicht so ganz fit war.

Plötzlich war es so weit

Und tatsächlich kam der Tag, an dem ich das Steuer in die Hand nehmen durfte. Und sogar ganz allein fahren musste/durfte! Meine Aufregung war groß, meine Anspannung noch grösser und nach der Hälfte der Tour taten mir meine Handgelenke von meinem festen Griff so weh, dass ich selbst laut über mich lachen musste. Ist nicht so, dass ich nicht schon seit vielen Jahren unzählige Male auf Trainingstouren dabei war!

Aber es ist nun einmal anders, wenn die Meisterin nun plötzlich nicht mehr neben einem sitzt und alles im Griff hat.

Nun war ich verantwortlich für den Erfolg der Trainingseinheit, das richtige Tempo, das korrekte Tauschen der Seiten, die Eigenheiten aller 14 Hunde und eben alles und noch ein bisschen mehr im Blick zu haben.

Nicht nur für mich war es neu, auch die Hunde waren irritiert, wer da nun das Sagen hat. Blizzard war bei der ersten Tour zusammen mit Jompa vorne. Nach dem Start dauerte es ca. 500 Meter, bis Blizzard merkte, dass Kathi nicht mit war. Sie konnte es kaum glauben, drehte immerzu ihren Kopf nach hinten. Hätte Jompa nicht ihren Job so gut gemacht, wären wir wohl nicht weit gekommen. Mein erstes Kommando „Gee“, also nach rechts abzubiegen, kam nicht nur viel zu spät von mir sondern auch in einer anderen Tonlage. Da war sogar Jompa kurz irritiert, dreht interessiert den Kopf nach hinten, um dann doch kraftvoll nach rechts einzubiegen. Es wirkte ein bisschen als hätte sie gedacht: “Ah du bist es! Cool, dann kann ich ja heute machen was ich will, hihihi“. Was sie später dann auch umsetzte — augenrollen —-. Naja, wir machten das Beste draus.

Ich versuchte in den kommenden Tagen es so zu machen, wie ich es bei Kathi gesehen und gelernt hatte. Um bald festzustellen, dass es besser ist, wenn ich nicht versuche sie zu sein, sondern ich.

Danach wurde es besser. Wahrscheinlich fanden die Hunde es komisch, denn sie kennen mich so wie ich bin. Benehme ich mich anders, dann kommt es bei ihnen seltsam an.

Wir fanden unseren Weg.

Ich akzeptierte, dass Dika bei mir als Leithund dauert anhält und pinkelt. Ich verstand, dass Kitkat nur ganz hinten laufen kann, weil sie sich sonst immer umdrehen muss. Ich kam mit Spice überein, dass sie machen darf, was immer sie will und ich nichts sagen werde, weil wir uns eh niemals verstehen werden.

Und die Hunde akzeptierten, dass mein Fahrstil anders war, aber nicht bedeutete, dass wir dauernd anhalten wollen. Sie lernten, dass ich immer mit Verspätung anhielt, wenn ein Hund sein Geschäft machte, weil ich es einfach nicht so schnell schnallte. Und die Leithunde hatten schnell raus, dass ich rechts und links immer verwechsle und eigentlich links meine, wenn ich rechts sage.

Da waren sie dann doch erstaunlich nachsichtig mit mir.

Kathi freute sich sehr, dass ich mich traute das Training zu machen und es auch recht gut lief. Das gab uns beiden ein gutes Gefühl.

Trotzdem waren wir beide heil froh, dass Kathi fast immer fit genug war, um mitzukommen.

Ein paar Mal haben wir probiert, dass ich fahre und sie Beifahrerin ist. Vielleicht drei oder vier Mal. Beim fünfen Mal saß Kathi schon auf dem Fahrersitz lange bevor es los ging. Ohne Worte sind wir zur natürlichen Ordnung zurückgekehrt. Wir haben nie darüber gesprochen 😊

Manches ist einfach so, wie es ist und bleibt auch so.

Nach den Trainingstouren war Kathi meist recht erschöpft und musste sich hinlegen. Wir tranken noch einen Tee bei den Hunden und dann ging es für sie auf Sofa. Und bei mir stand das Versorgen, Wegräumen und Vorbereiten für den nächsten Tag an.

Danach arbeitete ich meine immer länger werdenden To-Do-Liste ab.

Wir trainierten fast täglich bis Ende November und Kathi war tatsächlich fast immer dabei. Man merkt an unserem Sohn Mikko mit seinen wenigen Wochen, dass er Hundegebell völlig normal findet, genauso wie das Brummen eines Motors und holprige Wege.

Er war immer dabei.

Ende November nahm uns dann das Wetter die schwere Entscheidung ab, ob ich weiter allein trainiere, denn es wurde so eisig, dass wir für 2 Wochen Pause machen mussten. Wir nutzen die Zeit uns auf unseren Sohn vorzubereiten.

Bis dahin hatten wir noch nicht so recht darüber nachgedacht, was ein Baby eigentlich so brauchen könnte… Gut, dass Familie und Freunde uns vieles von ihren gebrauchten Sachen schickten! So hatten wir in jedem Fall eine Grundausstattung.

Im Dezember ging es Kathi nicht mehr so gut. Liegen, Sitzen, Laufen, alles wurde ungemütlich. Nichts von dem was sie gern machte konnte sie mehr tun.

Es war sehr schwer für Kathi loszulassen, viel zu ruhen und ihre körperliche Leistung im untern Normalzustand zu halten. Ich denke, dass es ihr nur gelungen ist, weil sie immer den wachsenden Bauch vor sich hatte in dem sich wie in einem Überraschungsei etwas ganz Wunderbares verbirgt auf das man mit Freude und Spannung wartet, um endlich mit ihm spielen zu können.

Und ich machte nun alles was Kathi sonst machte. Jeder Tag war eine Herausforderung für mich, denn die letzten Wochen gingen weit über meine Komfortzone hinaus. Und doch war ich meist motiviert. Ich schaffte mehr als ich mir zugetraut hätte, ich verbesserte mich von Woche zu Woche. Und es gab mehr und mehr Tage, an denen mir die Aufgaben leichter von der Hand gingen.

Doch wurde mir auch immer bewusster, dass mich das nicht gleichermaßen zufrieden stellt wie Kathi. Mir fehlte die Flexibilität, die Kreativität, das Gemütlich Sein, das Einfach-Mal-sein und vor allem fehlte es mir Kathis Freude zu sehen, wenn sie „ihr Ding“ mit den Hunden macht.

Ein unglaubliches Erlebnis naht!

Anfang Dezember stand die Frage an, ob ich mir zutraue einen eigenen Wintertrail zu fahren, um dann mit den Hunden auf dem Schnee zu trainieren. Gerade als ich mental dazu bereit war, kam alles ganz anders.

Kathis Schwangerschaft hatte sich in den letzten Wochen verschlechtert und Mikkos Versorgung war nicht mehr optimal. Die Ärzte entschieden ihn frühzeitig per Kaiserschnitt zu holen. Und Schwupps, war Mikko geboren!

Was für ein aufregender Tag!

Kathis Mutter Christine machte sich kurz vorher eilig auf den Weg zu uns, um die Versorgung der Hunde für die Tage zu übernehmen, wenn wir im Krankenhaus sind. Ohne sie hätte ich weder bei der Geburt noch die Tage danach bei Kathi und unserem Sohn sein können!

Kathi ging es nach der Geburt den Umständen entsprechend eher schlecht und es dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder auf die Beine kam. Noch dazu die ganzen Hormone – wirklich kein Zuckerschlecken!

Kathis Mutter hat uns da vieles mit den Hunden und dem Haushalt abgenommen und auch mit ihrer Erfahrung als Mutter sehr geholfen. Sie übernahm in den kommenden Wochen einige Aufgaben von meiner Liste und ich fühlte mich wieder „freier“.‘

Es packte mich eine Welle der Entschlossenheit und ich fuhr mit dem Schneemobil eine Spur auf dem See und im Wald, eine Runde von 25 km. Ich markierte sie und nun konnte das Hundetraining weiter gehen. Ich habe wenig Erfahrung mit dem Schlitten fahren und die Schneebedingungen waren auch nicht sehr einladend, denn noch gab es wenig Schnee und viel Eis.

Daher hatte ich mich entschieden statt dem Schlitten einfach das Schneemobil zu nehmen und die Hunde davor zu spannen. So konnte ich meine und die Sicherheit der Hunde garantieren und mich voll auf die Hunde konzentrieren.

Der erste Start lief super. Die Hunde schienen meine Aufregung zu spüren und waren sehr entgegenkommend. Kitkat kaute nur ihre eigene Neckline nicht aber die ihres Nachbarn durch, Twix hielt sich mit dem Piesacken ihres Nebenmannes zurück, Thunder ließ sich ohne Probleme die Booties anziehen und Spice – naja, die machte eben was sie wollte, so wie wir es ja besprochen hatten 😊

Fast täglich ging ich mit den Hunden auf Tour. Es war eine spannende Erfahrung und ein schönes Erlebnis mit den Hunden eine solch enge Beziehung aufzubauen.

Aber es kostete mich viel Kraft. Ich merkte schnell, wie sehr es mich körperlich anstrengte aber vor allem mental.

Wahrscheinlich habe ich mich selbst zu sehr unter Druck gesetzt die Hunde von Superwoman zu trainieren. Ein Anspruch, den ich mir selbst gesetzt habe und so gut ich konnte umgesetzt habe.

Jetzt schreiben wir Ende Januar.

Kathi ist seit 2 Wochen wieder einsatzbereit. Sachte und bedacht wieder anzufangen war nicht leicht für sie. Was heißt schon „nicht schwer heben“? 3 Kilo, 5 Kilo, 10 Kilo? Was wiegt eigentlich ein Futtereimer?

Aber es war in jedem Fall wunderbar, als sie wieder mehr bei den Hunden sein konnte. Die Eimer tragen, das Team einspannen, dabei habe ich ihr die erste Zeit geholfen.

Jetzt hat sie das Training wieder komplett übernommen. Die Futtereimer trage ich weiterhin gern für sie.

Ich bin sehr erleichtert das Superwoman wieder arbeiten kann 😊

Wie kann ich diese besondere Zeit summieren?

Die Schwangerschaftsvertretung von Superwoman zu sein, war eine echte Herausforderung für mich.

Es war lehrreich und anstrengend. Ich weiß jetzt, dass ich tagtäglich Kiloweise Fleisch schleppen kann und 350 Kilo Lachs und 500 Kilo Fleisch in wenigen Stunden verräumen kann.

Ich weiß jetzt, dass ich jeden Tag um 6 aufstehen kann und von morgens bis abends an Hunde denken kann. Ich weiß jetzt, dass ich problemlos 16 stürmische Hunde einspannen, je 4 Booties anziehen kann und allein trainieren kann.

Ich verstehe jetzt warum Kathi so pedantisch mit all ihren Hundesachen ist und immer alles seinen Platz haben muss.

Und ich habe jetzt noch mehr Respekt vor der Leistung die Kathi jeden Tag des Jahres bringt und kann vieles nun besser nachvollziehen.

Ich weiß jetzt aber auch, dass ich Abwechslung im Tagesablauf schätze und dass ich keine Frühaufsteherin sein möchte.

Ich weiß jetzt, dass mir kreativ sein wichtig ist und ich mehr Pausen brauche. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich unordentlich bin und Ordnung nicht wichtig ist.

Ich weiß jetzt, dass ich liebend gern mit unseren Schlittenhunden Zeit verbringe und keinen einzigen missen möchte. Aber ich weiß jetzt auch, dass ich keine Musherin bin und keine Ambitionen habe ein Team für mich zu trainieren.

Ich habe über mich gelernt, dass ich meine Komfortzone verlassen kann aber gern dahin zurückkehre.

Und ich habe mir jetzt beheizbare Handschuhe bestellt und stehe dazu.

Das beste aus dieser Zeit?

Dass es unseren Hundekindern die ganze Zeit gut ging und natürlich die Geburt unseres kleinen Sohnes Mikko, der alle Strapazen vergessen lässt und Kathi und mich noch mehr vereint.

Mikko und ich werden in den nächsten Jahren mit Begeisterung an Kathis Seite stehen, ihr zuwinken, sie motivieren, auf Touren begleiten und auf Langdistanzrennen zujubeln. Und wenn Superwoman mal Hilfe braucht, dann bin ich für sie da, denn jetzt weiß ich, dass ich es kann.

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