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Interview mit einer Nicht-Schlittenhund-Husky-Dame im Ruhestand

Alter ist relativ. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern auch für den Hund.

Natürlich gibt es klar definierte Lebensphasen im Leben eines Hundes. So wächst der Hund vom Welpen zum Junghund heran. Mit spätestens 2 Jahren hat er sein volles körperliches Wachstum, die sogenannte körperliche Reife, erreicht. Erwachsen werden sie mit der Geschlechtsreife. Bei Weibchen kann das schon mit 6 Monaten sein, Rüden etwas später, aber spätestens mit einem Jahr ist es so weit.

In dieser Zeit spricht man auch von der Pubertät oder Flegelzeit. Ausgewachsen und geschlechtsreif, bei größeren Hunden, wie bei unseren Huskies mit 1,5 Jahren, ist der Hund nun erwachsen. Dann kommen viele Jahre des Erwachsenseins und mit 10 Jahren spricht man gerne vom Seniorenhund.

So viel zur Theorie. Wie gesagt, auch beim Hund ist Alter relativ.

Bei uns geht es schon damit los, dass wir immer so lange von „unseren Welpen“ reden, bis ein neuer Welpenwurf kommt. Unsere momentanen „Welpen“ sind im August 3 Jahre alt geworden 😊

Die Pubertätsphase erscheint uns deutlich länger. Oder zumindest mehrfach wiederkehrend. Mit ca. 3 Jahren empfinden wir unsere Huskies meist als erwachsen. Manche schon etwas früher, andere brauchen etwas länger.

Was bedeutet erwachsen sein beim Hund?

Generell würde ich sagen, dass es darum geht, dass der Hund seinen Platz gefunden hat; im Rudel, im Umgang mit uns und im Alltag. Von uns aufgestellte Regeln und Routinen werden nicht mehr neu in Frage gestellt, sondern akzeptiert und verinnerlicht. Der Umgang mit den anderen Hunden ist entspannter, der Hund hat seine Rolle im Rudel gefunden und auch diesen akzeptiert. Kurz gesagt, der Hund fühlt sich sicher, gestärkt, weiss mit dem Alltag umzugehen und verlässt sich auf uns als Rudelführer.

Auch körperlich ist der Hund jetzt bereit seine Kraft und Energie gezielt einzusetzen. Schon vorher strotzen die Hunde voller Energie und es ist schwer sie zu bremsen. In der Pubertät lernen sie ihren Körper kennen und neigen dazu sich zu überschätzen. Wir bemühen uns in dieser Zeit ihnen viel Platz zum freien Laufen zu geben, achten aber darauf, dass wir potenzielle Verletzungsgefahren minimieren und sie gezielt bremsen, wenn sie der Übermut packt.

Mit ca. 10 Monaten „fahren“ wir sie ein. Das bedeutet, dass wir sie zum ersten Mal vor dem Schlitten ziehen lassen. Kurze Strecken, oftmals auch nur einen Teil im Gespann laufen lassen und den Rest frei nebenher. Es ist jedes Mal erstaunlich, ihre Begeisterung zu sehen, wie sie sich ganz natürlich in das Geschirr lehnen. Manchmal gibt es Hunde, die anfangs dem Geschirr oder dem Schlitten oder den ganzen Leinen um sie herum skeptisch gegenüber sind. Aber hilft man ihnen mit Ruhe und Sicherheit über diese erste Scheu hinweg, findet man kurz darauf einen hochmotivierten Schlittenhund vor sich wieder.

Dann gibt es kein Halten mehr!

Schnell haben sie verstanden, dass die Prozedur des Startens mit Geschirr anziehen, Bootie anziehen und Einspannen an die diversen Leinen, dem herrlichen Spaß des Laufens und Ziehens im Gespann vorausgeht. Hier gibt es nur ein Stichwort: Ungeduld! Ginge es nach ihnen könnten wir die Startprozedur definitiv kürzer gestalten. 😊

Stichwort für uns: Ruhe bewahren und konsequent unsere Regeln durchsetzen. Leinen zerbeißen? Nicht erlaubt. Mit dem Nachbarhund rumstänkern? Nicht erlaubt. Kopflos ins Geschirr springen? Nicht erlaubt. Aufmerksam bellen? Erlaubt. An seinem zugeordneten Platz bleiben, die Zugleine gespannt halten, fokussiert nach vorne orientiert sein? Definitiv erwünscht.

In den ersten Lebensjahren eines Schlittenhundes ist es besonders wichtig, dass wir die Gemeinschaft im Team stärken. Gleichzeitig jedoch jeden einzelnen Hund individuell betrachten. In den ersten Lebensjahren formen sich die Charaktere der Hunde ganz besonders. Hier ist es wichtig bestehende Ängste oder Unsicherheiten gezielt zu bearbeiten. Denn es ist schnell passiert, dass diese sich verstärken, wenn man dem jungen Hund nicht dabei hilft sie zu überwinden. Es ist eine große Herausforderung für die Musherin all diese Bedürfnisse zu sehen und entsprechend zu reagieren.

Junghusky wird zu einem erwachsenen Schlittenhund

Ihre Persönlichkeiten haben sich gefestigt. Wir kennen ihre Stärken und ihre Schwächen, können gezielt auf sie eingehen und individuell fördern und achten darauf sie nicht zu überfordern.

So können sie ihre Fähigkeiten ausbauen und in ihrem Wesen wachsen. Wenn sie sich dann dem Rentenalter nähern, meist so ab 8 Jahren, setzten wir sie besonders für das Ausbilden der Junghunde ein. Denn ein junger Hund lernt am besten von einem erwachsenen Hund.

Doch nicht jeder Husky ist auch ein Schlittenhund

Es ist eher selten, aber auch in der Welt der Hunde kommt es vor, dass nicht drinsteckt, was drauf steht…

Wir haben eine Hündin bei uns, die kein Schlittenhund ist. Sie war lustigerweise der erste Hund, den ich mir ausgesucht habe. Damals in dem Schlittenhundekennel in dem Johanna und ich uns kennengelernt haben. Jet war wenige Wochen alt, als ich sie unter meine Fittiche nahm. Sie ist ein sehr besonderer Hund, eine starke Persönlichkeit und mittlerweile schon 13 Jahre. Eine betuchte alte Dame und mit jedem Tag ein wenig sturer. Ich habe mich heute mit ihr im Garten zu einem kurzen Interview zum Thema „Würdevoll altern als Nicht-Schlittenhund“ verabredet.

Vormittags hole ich sie in ihrem Zwinger ab. Ihre großen Augen sagen: „Schön, dass Du kommst. Wurde auch Zeit.“ Sie ist immer etwas übermütig, sobald ich die Tür öffne und vergisst gern, dass sie schon etwas wackelig auf den Beinen ist. Daher nehme ich sie am Halsband und führe sie in Ruhe zur Wiese. Dort sind nicht so viele Stolperfallen und sie kann sich ein wenig warmlaufen. Die Freude ist riesig und in halb-großen Sprüngen rennt sie einmal quer durch den Garten.

Anschließend müssen einige Stellen ausgiebig beschnuppert werden. Dann steht die übliche kurze Rundtour durch die Zwingeranlage an. Freudig spaziert sie an den anderen Hunden vorbei, die jedes Mal mit viel Gebell protestieren, dass Jet da einfach so rumlaufen darf, während sie im Zwinger sein müssen. Aber die anderen wären einfach zu wild und würden Jet anrempeln oder zu sehr zum Spielen auffordern. So genießt Jet ihren Rundgang umso mehr, denn sie findet es toll, wenn die anderen wild bellen, wenn sie vorbeischlendert. 😊

Nach der Runde und dem Schnuppern geht sie gezielt zum Tor. Dort steckt sie kurz den Kopf zwischen die Latten, zieht den Kopf etwas erhoben zurück und schafft es so das Tor einen Spalt zu öffnen, um nach draußen zu gelangen. Da ich gerade mit dem Säubern der Zwinger beschäftigt bin, verpasse ich natürlich mal wieder den Moment, wenn sie entwischt. Aber keine Panik, Jet geht nur kurz zum See, nimmt ein Bad und kommt dann auch gleich wieder zum Tor. Interessanterweise kann sie das Tor in diese Richtung nicht öffnen, obwohl sie sich nur dagegen drücken müsste…

Zurück im Garten ist sie dann bereit für das Interview. Sie kommt begeistert zu mir, laut grummelnd, ein ganz eigener Jet-Laut.

Interview mit der Husky-Dame Jet

Ich: „Hej Jet. Schön, dass Du Zeit für mich hast. Wie geht es Dir denn heute?“

Jet: „Danke, Danke. Es geht mir gut. Das Bad war wieder wunderbar. Ich genieße das Schwimmen sehr. Schön wäre, wenn Du mir öfter mal das Tor öffnen könntest, es ist schon ein wenig beschwerlich für eine Dame meines Alters das schwere Tor selbst zu bewegen.“

Ich: “Ähm. Naja. Ja, da hast Du recht. Ich werde mich bessern. Aber Du weißt schon, dass Du eigentlich nicht außerhalb des Zauns sein darfst?“

Jet (überrascht): „Ach so? Ich dachte der Zaun war nur für die anderen gedacht, damit die nicht einfach überall hinrennen, so kopflos wie die sind.“

Ich: „Ja, das auch. Aber Du solltest eigentlich auch nicht einfach so überall rumlaufen.“

Jet (empört): „Was heißt hier „einfach so“? Ein Bad ist ja nun nicht zu viel verlangt, oder? Und wenn die nette alte Cockerspaniel Dame vorbei geht wird man doch wohl mal ein Schwätzchen halten dürfen! Und gestern als die Enten unten am Wasser…“

Ich (beschwichtigend): „Ok, ok. Das sind selbstverständlich wichtige Gründe. Entschuldige.“

Stille. Ich streichle Jet beschwichtigend am Rücken. Sie sieht in die Ferne.

Ich: „Das Älterwerden ist nicht leicht, oder? Kann ich Dir denn was Gutes tun?“

Jet (ihr Blick erhellt sich): „Wir könnten gern öfter zusammen spazieren gehen. Und ich hätte gern das weiche Kissen in meiner Hütte. Obwohl eigentlich wäre es noch besser, wenn ich öfter drinnen schlafen könnte. Das neue Sofa ist wirklich sehr bequem, das muss ich sagen. Ich finde es sowieso sehr gut, dass Du, jetzt wo ich älter bin, endlich verstanden hast, dass ich nicht hier draußen zu den anderen Huskies gehöre. Das sind schließlich Schlittenhunde, weißt Du. Das ist nicht so meine Welt. Bisschen, ja wie soll ich sagen, ordinär. Manche geradezu pöbelhaft!“

Ich (räuspere mich, um Zeit zu gewinnen): „Das klingt ja nun doch ein wenig hart, gegenüber den anderen. Du bist schließlich auch ein Husky, so wie die anderen.“

Jet unterbricht mich. „Husky Dame wohlgemerkt.“

Ich: „Husky Dame. Richtig. Du findest also, dass Du nicht so recht in die Gemeinschaft gehörst. Aber früher als Du jünger warst, hast Du schon gern mit ihnen gespielt und bist auch eine Zeit lang im Gespann mitgelaufen. Hat Dir das denn gar nicht gefallen?“

Jet (kratzt sich ausgiebig am Ohr): „Das war eine schwierige Zeit damals. Ich bin immer gern gerannt, am liebsten frei und immer der Nase nach. Aber das war was, was Du nicht so gut fandst. Also habe ich das mit dem Schlittenziehen versucht. Anfangs war es ganz ok. Zum Glück haben die anderen immer so stark gezogen, dass es nicht so auffiel, wenn ich nur ganz wenig gezogen habe. Solange ich zusah, dass die Leine hinter mir gestreckt war, warst Du zufrieden, die anderen Hunde ebenso und ich fand es auch ganz gut. Vor allem wenn wir schnell laufen durften!“

Ich: „Und warum wolltest Du dann nicht mehr?“

Jet: „Es war langweilig. Vorne durfte ich nicht laufen, weil Du nie dahin wolltest, wo ich hinwollte. Also musste ich hinter den anderen herrennen. Immer schön in Reih und Glied. Öde sag ich dir. Die anderen haben schon versucht mich zu motivieren. Anfangs jedenfalls. Ich habe nie verstanden, was sie daran so toll finden. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass es besser wäre, wenn ich nicht mehr dabei bin. Damals waren noch Loop, Dino, Fausto, Ris und Luna dabei. Das hat unsere Freundschaft belastet, dass ich sie so gebremst habe.“

Ich: „Bei so vielen Freunden gehörst Du ja doch ein bisschen dazu, oder?“

Jet (kurzer Blick zu mir, dann wieder in die Ferne): „Damals. Ja. Das war ein anderer Schlag Husky damals. Die Jungen von heute. Naja, was kann man schon erwarten von einem Hunsky, wenn ihnen alles vor die Pfoten gelegt wird?“

Ich (überrascht): „Ihr hattet es schwerer als die jungen Huskies heute?“

Jet: „Auf jeden Fall! Denk doch nur mal an die erste Hundehütte, die Du und Johanna für mich und Luna gebaut habt! Die reinste Bruchbude im Vergleich zu den Luxusdingern heute! Und die Geschirre! Damals konnten wir ja froh sein, wenn Johanna uns nicht 3 Nummern zu groß angezogen hat, und jedes Mal ein anderer Schnitt! Und heute bekommen wir jeden Tag die Pfoten eingerieben mit herrlichsten Salben, schon bevor wir überhaupt rissige Pfoten haben, quasi prophylaktisch. Früher hatten wir manchmal richtig wunde Pfoten und erst dann hast Du Creme drauf gemacht.“

Ich: „Das klingt ja schrecklich! Das tut mir sehr leid, dass Du es so schwer hattest.“

Jet legt sich auf die Seite und streckt mir ihren Bauch entgegen. „Naja, so schlimm war es auch wieder nicht. Ihr habt euch immer gut um uns gekümmert. Und wenn ich ein bisschen mehr auf Diva gemacht habe, dann durfte ich ja auch immer gleich mit rein ins Haus und aufs Sofa. Ich war schon immer gut als Schauspielerin. Meine Freunde fanden das auch gut. Habe ja öfter mal was für uns organisiert…“

Ich: „Jaha! Soso. Hättest Du gern eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen?“

Jet (nachdenklich): „Ich habe manchmal drüber nachgedacht, ob ich ein guter Jagdhund gewesen wäre. Aber als ich gehört habe, dass ich die Beute nicht selber fressen darf, wenn ich sie getötet habe, fand ich es nicht mehr so interessant.“

Jet leckt sich das Maul und sieht wieder in die Ferne. „Eine Weile hattet ihr ja immer so viele nette Menschen bei euch, die dann mit ein paar von uns lange Touren mit Schneeschuhen gemacht haben. Das war schön. Da hatte ich immer total viel Spaß. Es war so lustig, wenn ich mich absichtlich in den ganzen Leinen verheddert habe und die Menschen kaum hinterher kamen mich davon zu befreien. Ich habe so gelacht!“

Ich (leicht genervt): „Ja, ich erinnere mich. Das kannst Du auch heute noch ganz gut…“

Jet guckt unschuldig und kratzt sich am Ohr.

Ich: „Jetzt steht der Herbst vor der Tür. Wir haben beschlossen, dass Du von nun an im Haus schlafen darfst. Tagsüber möchten wir aber doch gern, dass Du draußen bei den anderen Huskies bist. Zumindest bis es richtig kalt wird. Ist das ok für Dich?“

Jet: „Das ist in Ordnung für mich. Mit Heine im Zwinger ist es gerade ganz nett. Er ist zwar nicht so sehr gesprächig, aber er kriegt immer alles mit. Ich sehe nicht mehr so gut und auch das Hören hat nachgelassen. Dass er immer los bellt, sobald sich was tut, passt für mich sehr gut. Bekomme ich dann auch wieder das besonders weiche Kissen, wenn ich im Haus schlafe?“

Ich (liebevoll): „Ja Jet, das bekommst Du.“

Jet (nachdenklich und etwas zögerlich): „Ich nehme an, die Katze zu fressen ist immer noch tabu?“

Ich: „Ja Jet, die Katze zu Fressen ist definitiv tabu!“

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2 Comments

  • Heike

    Loop, Dino, Fausto, Ris und Luna. 2013? Scheint eine Ewigkeit her. Und Jet, der kleine Teufelsbraten 😍, schön und exzentrisch wie eh und je. So schön, dass sie bei euch in Würde altern kann.

    • Kat&8SeasonsHuskies

      Ja, die Zeit vergeht schnell und so ein Hundeleben ist recht kurz! Jet spazier gerade wieder durch den Kennel und ärgert die junge Meute 😉

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