fbpx
johanna.miekojärvi
johanna,  Uncategorized

Johanna´s Situation

in der Corona-Zeit

Jetzt hätten wir Zeit, unser zuhause gemeinsam zu genießen, aber das Genießen fällt schwer.

Ich möchte Euch gerne von Johanna erzählen…

Johanna und ich sind seit 12 Jahren ein Paar, arbeiten seit 11 Jahren zusammen und sind seit mittlerweile 10 Jahren verheiratet.

Sie ist das Organisationstalent von uns beiden, liebt lang- und kurzfristige Pläne und kümmert sich viel um unsere Firmenstruktur, Machbarkeit von Projekten, die Zahlen und die Buchhaltung.

Unser Alltag

Ihr Alltag hat sich durch die momentane Situation gravierender verändert als meiner.

Meine Tage sind geprägt von den Arbeiten rund um unser Haus in Miekojärvi. Die Hunde, Gästetouren, die Konzeption der Angebote und alle Arbeiten rund um Haus und Hof sind mein Hauptaufgabengebiet.

Johanna war oft viele Wochen am Stück als Reiseleitung in Skandinavien unterwegs und hat saisonweise die Rezeption eines großen Hotels geleitet. Wir waren oft monatelang nicht am selben Ort und haben uns wenig gesehen. Vor allem mir ist das schwer gefallen. Wir haben immer wieder versucht, einen Weg zu finden mehr Zeit miteinander verbringen zu können und im letzten Jahr alles in die Wege geleitet, damit das möglich werden kann.

Um die Zeiten auszugleichen, in denen wir nicht so viele Touren haben, hatten wir das Gästehaus in Överkalix (30 Minuten von unserem Zuhause) übernommen. Seit Anfang des Jahres war Johanna also die meiste Zeit in der 8SeasonsVilla und hat alle Energie in den Aufbau unseres neuen Standbeins gesteckt. Dadurch haben wir uns zumindest oft nachts gesehen, wobei die gemeinsame Zeit noch nicht wirklich mehr geworden ist.

Nach der Vollbremsung war Johanna plötzlich 100% der Zeit zuhause, statt 99% arbeitsbedingt irgendwo anders. Wir hatten uns immer mehr gemeinsame Zeit gewünscht – zack – da ist sie jetzt, die Zeit, nur eben durch etwas ungewollte Umstände.

Herausforderungen

Johanna hat das Gefühl, hier zuhause in meinen Alltag zu drängen und auch privat muss sich notgedrungen vieles neu sortieren. Mir ist besonders die erste Woche schwergefallen, jede Arbeitseinteilung ist außer Kraft gesetzt, alles ist anders – dazu kommt die innere Unruhe durch die Entwicklungen in der Welt und die Sorge umeinander.

Johanna liebt es, zu arbeiten und unsere Projekte voran zu treiben, Kurz- und langfristige Pläne zu verfolgen und in Bewegung zu sein – der plötzliche und totale Stopp hat sie sehr herausgefordert.

Es ist ihr schwer gefallen, sich zu konzentrieren. Dieser Ausnahmezustand und der damit verbundene Umbruch in allen Lebensbereichen fordert sie sehr und sie vermisst ihre eigene Effektivität im Tun.

Alles ist plötzlich über den Haufen geschmissen. Es stand gar nicht an, unsere gesamte Existenz und unser Leben so auf den Prüfstand zu stellen und sofort einen neuen und ganz anderen Plan finden zu müssen.

Klar, April ist immer der Monat für Jahresabschluss, Saisonabschluss und Steuer – aber doch nicht für einen Komplett-Check.

Sie und ich mussten uns tausend Fragen stellen und auf die wenigsten hatten und haben wir ad hock eine Antwort.

Das Handeln beginnt

Johanna hat in den ganzen 12 Jahren noch nie so viele Fachleute angerufen. Unternehmensberater, Steuerberater, Kreditunternehmen, Banken, Anwälte, Lieferanten und natürlich Kunden.

Sie telefoniert auch ehrlich gesagt gar nicht so gerne…

Normalerweise macht man Besprechungen hier oben auch auf jeden Fall persönlich und mit viiiiiiel Kaffee, Kuchen und einer Menge Smalltalk vor- und nachher.

Das ist eine der positiven Nebenwirkungen der Kontakteinschränkung.  Johanna muss nicht mehr hunderte von Kilometern fahren, um mit den wichtigen Menschen etwas zu besprechen (die wohnen fast alle Richtung Lulea oder sonst wo), sondern plötzlich kann man mit „Skype“ oder „Team“ Besprechungen abhalten.

Neben dieser positiven Nebenwirkung ist ihr deutlich geworden, dass sie keine Kollegen oder Kolleginnen hat und vieles allein gestemmt hat. Jetzt wird ihr das schmerzlich bewusst.

Und jeder Ratgeber, mit dem sie telefoniert, hat natürlich sein/ihr Fachgebiet und die Ratschläge sind nicht unbedingt neutral. Kreditgeber wollen Kredite geben, Banken wollen Geld und die Anwälte schauen nur auf die Rechtslage und kalkulieren nicht die Frage mit ein, ob wir an unserer Firma hängen und ob es ein Herzensprojekt ist oder nicht. Sobald die letzten offenen Fragen geklärt sind, wird es darum gehen, alle Ratschläge irgendwie zusammen zu bringen und eine neue Richtung zu definieren.

Die Frage wo wir jetzt stehen, ist zwar noch nicht ganz geklärt, aber klarer geworden:

Vieles von dem, was Johanna beunruhigt hat, konnte beleuchtet werden und manches ist nicht so schlimm, wie gedacht.

Warum wir so schnell in Schräglage geraten sind, hängt damit zusammen, dass wir sehr stark auf den März 2020 gesetzt haben. Das letzte große Einkommen zum Ende der Saison war fest eingeplant und damit hätte sie die Rechnungen leicht bezahlen können, die schon auf dem Schreibtisch lagen.

Zu „normalen“ Zeiten müssen uns die Veranstalter spätestens 30 Tage vor Beginn der Reise absagen, diese Zeit war längst verstrichen und somit das Einkommen „eigentlich“ sicher. Dass es jemals eine Rechtslage geben könnte, bei der wir das Geld nicht bekommen, damit hätte niemand gerechnet.

In unserer Branche (Tourismus) lassen sich nicht alle Kosten so klar über das Jahr verteilen. Der März und die Zeiten bis Ostern bringen wichtige Saison-Einnahmen und spielen Geld ein, das dann gegen die Ausgaben gerechnet werden kann.

Nach den großen Investitionen im letzten Jahr war unser Winter genau geplant. 3 große Reisen spielen das Geld ein, von dem wir leben können. Ein Termin ist ausgefallen, den Ausfall haben wir dann schnell mit Tagesaktivitäten und den neuen Einnahmen aus dem Gästehaus aufgefüllt. Alles wäre gut aufgegangen.

Die Realität

Jetzt gibt es keine Möglichkeit der Kompensation mehr. Und plötzlich bleiben Rechnungen auf Johannas Schreibtisch unbezahlbar, die noch aus der Zeit vor Corona stammen. Wie soll man das erklären? Das ist mehr als unangenehm!

Für alles nach Corona gibt es Verständnis…aber für Rechnungen aus der Zeit davor?

Johanna hat mir kürzlich irgendwann gesagt, dass sie das Geld für die Hunde nicht mehr finanzieren kann, dass da nichts mehr ist, um die Rechnungen für das Futter zu bezahlen. (Wir kaufen Hundefutter in größeren Mengen um gute Preise zu bekommen – die Rechnungsbeträge sind dann natürlich beachtlich.)

Das ist ihr sehr, sehr schwergefallen. Sie konnte immer alles deichseln – das jetzt nicht mehr zu können, hat erst mal ihren Stolz angegriffen und sie tief getroffen.

Als mir der ernst unsere Lage bewusst geworden ist, habe ich unabhängig von Ihr die Aufgabe übernommen, irgendwie das Geld für die Hunde zu organisieren.

Johanna konnte ich damit entlasten und viel Druck nehmen.

Für sie und mich ist die neue Situation mittlerweile auch eine Chance, nochmal neu und anders zu denken.

Natürlich ist es immer wieder ein tief trauriges Gefühl, uns vorzustellen, dass die Firma, in die wir so viel Herzblut und Energie investiert haben, nicht mehr existieren könnte – aber unsere gemeinsame Stärke, in allem auch immer etwas Positives zu sehen, hilft uns ungemein.

Hinter Johannas geknicktem Stolz kam die Erkenntnis, dass es vielen so geht, dass wir nicht die einzigen sind. Das macht das Gefühl zumindest „OK“ – wir können auf beruflicher Ebene nicht viel dagegen tun.

Konzentration auf die wichtigen Dinge

Arbeit und Leben hängt bei uns sehr eng zusammen und bedingt sich – umso wichtiger ist es, dass wir gute, gemeinsame Entscheidungen für uns treffen.

Für mich kommt die Grundsätzlichkeit der Frage nach unserer Zukunft irgendwie schleichender als für Johanna. Hier in Miekojärvi ist es möglich, wie in einer eigenen Blase zu leben und – will man die Welt nicht mitbekommen, braucht man nur Abstand vom Internet zu halten – fertig!

Jetzt sind wir zusammen in unserer Blase, unserem Zuhause.

Es ist schwierig – wir hätten Zeit unser Zuhause zu genießen, aber das Genießen fällt schwer – es fühlt sich nicht an wie eine Zeit des Genießens.

Aber trotz allem ist es echt schön wieder mehr zusammen, zusammen zuhause zu sein.

Es ist einfach ein toller Ort, der uns sehr verbindet! Du guckst raus, siehst die Hunde, den See, die Weite und die Natur! Das kann man unmöglich nicht geniessen.

Die Hunde schenken so viel Lebensfreude, sie fangen uns auf und zeigen uns immer wieder, wofür wir da sind.

Erstaunlicher Weise haben wir beide unsere Krisen nie gleichzeitig. Wenn uns der Mut verlässt, wir unter der Last der Lage total zusammen brechen, ist immer eine von uns aufrecht und kann die andere unterstützen.

Schritt für Schritt

Also machen wir weiter. Schritt für Schritt stellen wir uns all diesen Fragen, werden telefonieren, neue Fragen finden, alte versuchen zu klären, Zahlen hin und her rechnen und uns immer wieder fragen, wo eigentlich unser Ziel abgeblieben ist und wie es sein kann, dass wir gerade nichts über die Zukunft wissen, wann das wohl aufhört und was unser neues Ziel sein kann.

Johanna dachte eine Weile: Super, ich kläre eine Woche alles, was es zu klären gibt, dann kann ich eh nichts mehr tun, sitze Corona aus und komme mal wieder dazu, zu nähen und zu stricken.

Jetzt sieht es so aus, als würden wir uns noch mal richtig ins Zeug legen und den Kampf für unser unternehmerisches Sein aufnehmen.

Die ersten Hoffnungsschimmer kommen aus der Welt und die eigene Hoffnung auf ein schnelles Ende flammt im eigenen Herz auf. Dass die Chancen schlecht stehen, dass es so kommt, wissen wir beide und wir versuchen uns weiter mit diesen ambivalenten Gefühlen zu Recht zu ruckeln, um neue Antworten zu finden und nicht auf die Zeit für „alte Lösungen“ zu warten.

Das macht uns müde – schöner Weise immer abwechselnd – so dass die jeweils andere dann Aufgaben übernimmt, Tee und Kaffee bringen kann und natürlich ein paar Lieblingshunde, die von dem allen nichts wissen und einen mit ihrer Lebensfreude wieder anstecken.

So machen wir also weiter…

Wir, Johanna und Kathi, waren immer schon das Herz all unserer Unternehmungen. Voll von unbändiger Begeisterung für das Leben im Norden – mit all seinen Eigenwilligkeiten und Extremen. Unsere Lösungen waren immer schon unkonventionell, also…

Heute scheint die Sonne und wir gehen mal raus auf den See. Spazieren…einfach so.

Und die Fragen dürfen sich in Geduld üben und mal ein bisschen auf UNS warten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.