hunde,  Uncategorized

März 2020

„Und was hast du die letzten zwei Wochen gemacht?“ oder „Corona findet einen sogar irgendwo im Nirgendwo!“

Am Dienstag den 10.März um 06:00 Uhr morgens bin ich mit Mona (einer Freundin aus Deutschland) ins Auto gestiegen und wir sind die knapp 700km Richtung Alta in Nord-Norwegen zum Finnmarkslöpet gefahren.

Wir wollten den führenden Mushern und Teams beim 1200km Langstreckenrennen bei ihrer Routine im Checkpoint „über die Schulter“ schauen. Mein Plan war, nützliche Tricks und Kniffe zu sammeln die mir 2022 helfen könnten, wenn ich mit meinem eigenen Team an den Start gehen würde.

Bis Donnerstag Nachmittag sind wir von Checkpoint zu Checkpoint gefahren, haben hinter der Absperrung auf die einfahrenden Teams gewartet und zwischendurch sind wir in unsere Schlafsäcke gekrabbelt, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen.

Wir haben Abläufe beobachtet, befreundete Doghandler getroffen und jede Minute über Hunde, optimales Training und Checkpoint-Routinen geredet.

Donnerstag Nachmittag am Checkpoint Levajok hören wir plötzlich „Corona…, the race is stopped, because of Corona“. Nach anfänglicher Verwirrung war schnell klar: Norwegen hat alle öffentlichen Sportveranstaltungen verboten und somit auch das Finnmarkslöpet. Außerdem sollten Restaurants und Grenzen geschlossen werden.

Corona ist angekommen! Hoch oben im Norden, irgendwo im Nirgendwo, an einer Fjällstation in Nord Norwegen, nur umgeben von Schnee, Eis, Bergen und Wind.

Schnell wurden die Absperrungen am Checkpoint zur Seite geräumt und alle machten sich daran den Mushern mit ihren Hunden zu helfen (was während des Rennbetriebes untersagt ist), wir haben Freunden geholfen ihre Hunde zu versorgen und uns wieder auf den Weg nach Hause gemacht. Als wir die Grenze zu Finnland passiert hatten haben wir irgendwie aufgeatmet.

Die nächste Woche verlief erstaunlich normal. Johanna hatte im Gästehaus gut zutun und ich hatte regelmäßig Gäste, die meine Huskies und ich mit auf Tour genommen haben. Die Tage waren gefüllt mit Hunderoutinen (Füttern, sauber machen, Training, Freilauf, Gäste begrüßen, über unsere Arbeit hier oben erzählen, Hunde einspannen, Tour machen, wieder kommen, Hunde mit Wasser + Fleischsuppe versorgen, einen gemütlichen Ausklang in der Grillhütte mit den Gästen haben und Fika machen (schwedisches Kaffee + Kuchen).

Am Montag, den 23. März haben wir dann das ganze Außmaß unserer jetzigen Situation verstanden.

Johanna hat sich Tag und Nacht darum gekümmert die Situation unseres Unternehmens irgendwie zu sichten, mit den wichtigen Menschen, Banken und Institutionen zu sprechen und nach Plänen und Möglichkeiten gesucht, wie wir unsere berufliche Existenz retten könnten. Staatliche Mittel sind für uns bisher vom Land Schweden leider nicht vorgesehen.

Da der Großteil unseres Geldes immer schon in unsere Hunde geflossen ist und uns jetzt unsere Lebensgrundlage weg bricht habe ich mir den Kopf zerbrochen wie ich das Futter für unsere Hunde in dieser schwierigen Zeit bezahlen kann.

Mit Mona und unseren freiwilligen Helferinnen Zoe und Franzi habe ich einen Notfall-Rettungsplan für die Hunde entworfen.

Schnell entstand die Idee einer Homepage und ein Spenden- und Freundschaftsprogramm für unsere Huskies ins Leben zu rufen.

Wie ihr seht sind wir bei der Idee geblieben!

Und um das ganze lebendig werden zu lassen und um unsere Hunde persönlich vorstellen zu können ging es ans Fotoshooting. Mit Lachs, viel Liebe und Geduld haben wir jeden Hund in Szene gesetzt, um ein schönes Foto zu bekommen das seine Persönlichkeit wiederspiegelt.

Ich habe die Webseite gebaut und Inhalte eingepflegt, Zoe und Franci haben sich um die täglichen Arbeiten gekümmert, wir haben Texte geschrieben und Mona hat angefangen jeden Schritt unserer täglichen Routinen zu filmen und zu fotografieren. Johanna war weiter mit unserer beruflichen Situation beschäftigt und dem drohenden Konkurs.

Das Rohmaterial für einen Spendenaufruf per Video haben wir an Elise geschickt, die mit ihrer Fachkompetenz dieses Video gebastelt hat und uns diesmal, wie auch schon in der Vergangenheit, super unterstützt hat.

Als unsere Seite „live“ ging haben wir erstmal tief durchgeatmet und angestoßen. Nun hieß es: warten auf das erste Feedback. Eine Pause war auch dringend nötig! Wir haben unser Mittagessen draußen gegrillt und ich bin mit den Hunden endlich wieder rausgefahren. Die hatten sich schon gefragt wo ich eigentlich abgeblieben bin. Ich hatte versucht ihnen zu erklären, dass ich jede Minute in sie investiere – nur eben grade am Computer und sie sich ein paar Tage mit Freilauf begnügen müssen. Ich habe in große, fragende Augen geschaut.

Aber der Moment als sie wieder rennen durften…unbeschreiblich!

Tausend Dank für eure Spenden! Es macht uns Mut, dass sich die ganze Arbeit der letzten Tage auszahlt und gibt uns Hoffnung, dass wir in der Lage sein könnten die Hunde in den nächsten Wochen durch bringen zu können.

In tiefer Dankbarkeit!

Kat und die 8SeasonsHuskies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.